Von Ralph Rückert, Tierarzt
„Ich hasse Menschen!“ ist ein Satz, den man ja im Alltag häufig hört. Besonders oft aber fällt er – aus meist gutem Grund – in Berufen, die immer wieder mit dem menschengemachten Leid von Abhängigen konfrontiert werden, also zum Beispiel in der Kinder- oder Tiermedizin. Wenn man sowas wie auf dem Titelbild auf den Behandlungstisch gesetzt bekommt, oft mit der hanebüchenen Aussage verknüpft, dass das mehr oder weniger von gestern auf heute so schlimm geworden sei, dann hasst man diese Tierbesitzer:innen mal kurz tatsächlich.
Trotzdem bin ich der Meinung, dass der Satz zu inflationär gebraucht wird und dass er in seiner absoluten Negativität und im Sinne einer sich selbst bewahrheitenden Aussage durchaus das Potenzial hat, sich über kurz oder lang im Mindset derer festzufresssen, die ihn so häufig aussprechen. Manche von uns hören das nicht so gerne, aber speziell in der Kleintiermedizin sind wir letztendlich Dienstleister. Wir erbringen tiermedizinische Leistungen für die Tiere von Menschen. Es ist schon richtig, dass wir diese Tiere in manchen Fällen tatsächlich vor ihren eigenen Besitzer:innen beschützen müssen, man sollte aber in diesem Beruf meiner Meinung nach fest im Auge behalten, dass deutlich über 90 Prozent unserer Kundinnen und Kunden in dem Sinne gute Tierhalter:innen sind, als sie ihre Tiere regelmäßig vorstellen, uns vertrauen und mit uns gedeihlich zusammenarbeiten. Verinnerlicht man nun diesen Satz „Ich hasse Menschen!“ zu sehr, wird er fast mit Sicherheit zu einer ablehnenden und misstrauischen Grundhaltung führen, die speziell sensible Kund:innen über kurz oder lang auch wahrnehmen werden, und dann wird es bezüglich einer Zusammenarbeit problematisch.
Schon aus Eigenschutz sollte man sich als Tierärztin oder Tierarzt in dieser Hinsicht aufmerksam beobachten. Der sogenannte Kundenhass ist eines der wichtigsten Frühwarnzeichen für einen echten Burnout (Symptomkategorie 2 „Depersonalisierung“). Zudem ist eine zynische, misstrauische oder ablehnende Haltung gegenüber Kundinnen und Kunden dem wirtschaftlichen Erfolg einer Praxis sicher alles andere als zuträglich.
Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer das manchmal ist, wenn sich mal wieder die Fälle mit echten Arschgeigen von Tierbesitzer:innen häufen, wenn man das Gefühl bekommt, dass man nur noch den ganzen Scheiß wegräumen muss, der von Menschen angerichtet worden ist, aber trotzdem appelliere ich an meine Kolleginnen und Kollegen, bezüglich dieses Satzes nicht nur sprachliche, sondern auch gedankliche Disziplin zu üben. Man tut sich selbst und seinen Angestellten wirklich nichts Gutes und den allermeisten Tierhalter:innen Unrecht, wenn man „Ich hasse Menschen!“ zu seinem Leitspruch macht!
Bleiben Sie mir gewogen, bis bald, Ihr
Ralph Rückert
Übrigens und falls das nicht klar sein sollte: Dieser Text wurde von einem Menschen, also von mir geschrieben, nicht von irgendeiner Bullshit-KI! Nur die Illustrationen mancher Artikel sind KI-generiert.
© Ralph Rückert
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