Von Dr. Diana Ruf, Tierärztin, und Ralph Rückert, Tierarzt
Zwei Punkte vorab:
Erstens ist das nach längerer Zeit mal wieder ein Kooperationsartikel. Meine Koautorin ist Dr. Diana Ruf, in Kaninchenkreisen sicher so einigen bekannt durch ihr Engagement für diese Tierart.
Zweitens ist das ein Text, der sich wirklich ausschließlich an Kaninchenhalterinnen und -halter richtet. Wer mit Kaninchen nichts am Hut hat, kann also spätestens an diesem Punkt aussteigen. Natürlich spricht aber auch für reine Katzen- oder Hundehalter:innen rein gar nichts dagegen, den Text zu teilen, damit er so viele Kaninchenbesitzer:innen wie möglich erreicht.
Also, nach diesen kurzen Vorbemerkungen gleich mal ran an den Speck:
Wir haben im Bereich der Kaninchenmedizin aktuell eine ziemlich schwierige Gemengelage. In den vergangenen 25 Jahren haben sich bezüglich dieser Tierart enorme Erkenntnisgewinne ergeben, nach meinem Gefühl mehr als bei jeder anderen in der Kleintierpraxis behandelten Spezies. Kaninchenmedizin entwickelt sich zunehmend zu einem Feld für Spezialist:innen. Das ist auf der einen Seite erfreulich, weil es natürlich die Versorgungsqualität der Kaninchen im Durchschnitt deutlich verbessert, gerade im Fall von schweren oder komplizierten Erkrankungen, die es bei dieser Tierart ja leider so häufig gibt. Andererseits sollte eine gewisse Basisversorgung halbwegs vor Ort möglich sein, zu der auch das Impfen gehört, vor allem gegen die apokalyptischen Reiter des Kaninchens, die Myxomatose und RHD1 und 2 (Rabbit Haemorrhagic Disease). Nun stellt aber Dr. Ruf alarmiert fest, dass viele Kaninchen unzureichend geimpft sind und damit in ständiger Lebensgefahr schweben, ohne dass ihre Besitzer:innen das auch nur ahnen. Wir können uns als Erklärung eigentlich nur vorstellen, dass Kaninchenpatienten in manchen Einrichtungen nicht ernst genommen werden und das mit einem kompletten geistigen Ausstieg aus dem Thema einhergeht, also auch aus eigentlich recht einfachen Problemstellungen der Basisversorgung.
Dazu kommt als erschwerender Faktor die dynamische Entwicklung des Infektionsgeschehens bei Kaninchen, insbesondere die RHD betreffend. Es gibt da leider immer mal wieder einen neuen Virusstamm, der die bisherigen Impfkonzepte über den Haufen schmeißt.
In Deutschland sind RHD1, RHD2 und Myxomatose relevante Core-Impfungen, siehe Leitlinie zur Impfung von Kleintieren der STIKO Vet. Wichtig: Das gilt auch für Wohnungskaninchen! Innenhaltung schützt nicht!
Es gibt in Deutschland Impfstoffe, die nur gegen einen Teil dieser Erkrankungen schützen und die man entsprechend kombinieren muss, und mit Nobivac Myxo-RHD PLUS einen Impfstoff, der alle drei Erkrankungen abdeckt – bei dem man aber bei der Umstellung auf diesen Impfstoff manches beachten muss, da es sich um einen Vektorimpfstoff handelt (das Impfmyxovirus trägt die RHD-Komponenten). Das heißt, wenn ein Kaninchen Myxomatoseantikörper (durch Vorimpfung, maternale Antikörper, etc.) hat UND keine Antikörper gegen RHD1 und/oder RHD2, dann muss beim ersten Mal zusätzlich zu Nobivac Myxo-RHD PLUS mit einem Nicht-Vektorimpfstoff gegen RHD1/2 geimpft werden – z.B. mit Filavac oder Yurvac.
RHD2 ist seit Jahren die dominante RHD-Variante in Deutschland und hochletal. Wenn ein Kaninchen – wie es oft passiert – „geimpft“ ist, aber kein RHD2-Schutz besteht, weil entweder falsch auf Nobivac Myxo-RHD PLUS umgestellt oder nur mit Rika-Vacc Duo (Myxo und RHD1) geimpft wurde, dann endet das sehr wahrscheinlich tödlich, wenn sich das Kaninchen mit RHD2 infizierten sollte.
Man muss wirklich kein(e) Kaninchen-Spezialist:in sein – aber man sollte zumindest wissen, welchen Schutz der jeweils verwendete Impfstoff überhaupt bietet und wie man ihn anwendet. Steht alles in den Informationen der Impfstoffhersteller, keine Raketenwissenschaft.
Runtergebrochen sind es drei Sätze, die JEDER WISSEN MUSS, DER KANINCHEN IMPFT:
-Alle Kaninchen – unabhängig von ihrer Haltung – sollten nach aktuellem Stand jederzeit gegen RHD1, RHD2 und Myxomatose geschützt sein.
-Das kann entweder durch Kombination verschiedener Impfstoffe oder durch Nobivac Myxo-RHD Plus erreicht werden.
-Bei Nobivac-Myxo-RHD Plus muss man beachten, dass es ein Vektorimpfstoff ist und die Umstellung von anderen Impfstoffen gewisse Besonderheiten hat.
Alles Weitere – also Fragen wie…
Boosterstrategien bei Erstimpfung,
maximale Sicherheit vs. Basisschutz,
halbjährliche Impfstrategien,
neue hochvirulente Variante von RHD2,
Filavac vs. Yurvac,
Vollantigen- vs. Capsidimpfstoff u.s.w.
…sind dann Optimierungen und eher etwas für Leute, die sich intensiver mit Kaninchenmedizin beschäftigen möchten und für Praxen, die Kaninchenhalter:innen haben, die diese zusätzliche Sicherheit überhaupt (bezahlen) wollen.
Es geht uns absolut nicht darum, dass jede Praxis auf Spezialniveau arbeiten muss. Aber wenn Tiere trotz „Impfung“ an einer Erkrankung sterben, gegen die sie nach heutigem Standard hätten geschützt sein sollen, dann reden wir nicht über komplizierte Feinheiten, sondern über einen echt krassen und eigentlich sehr einfach vermeidbaren Fehler.
Kaninchenbesitzer:innen, die sich mit diesem und anderen Themen ausführlicher beschäftigen wollen, seien diese Angebote empfohlen:
https://myablefy.com/s/dianaruf
Bleiben Sie uns gewogen, bis bald,
Ihre Dr. Diana Ruf, Ihr Ralph Rückert
Übrigens und falls das nicht klar sein sollte: Dieser Text wurde von Menschen, also von uns geschrieben, nicht von irgendeiner Bullshit-KI! Nur die Illustrationen mancher Artikel sind KI-generiert.
© Ralph Rückert, Dr. Diana Ruf
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