Von Ralph Rückert, Tierarzt
Tja, was macht „The Rise of the Machines“, der Einzug der KIs in unser aller tägliches Leben mit mir als Blogger?
Im Gegensatz zur Tiermedizin, wo ich überzeugt bin, dass KI in Zukunft eine extrem wichtige Rolle spielen und mittelfristig sogar die Qualität (mal mindestens für die Patienten) verbessern wird, bin ich mir da bezüglich der Blogosphäre nicht so sicher.
In erster Linie demotiviert mich die aktuelle Entwicklung. Für einen Artikel von 1000 Wörtern brauche ich erst mal eine Idee und dann so einige Stunden bis Tage Schreib- und Korrekturarbeit, je nach aktueller Motivationslage. Wenn ich beobachte, wie so manche Andere, auch Kolleginnen und Kollegen, immer besser werdende und immer weniger als KI-Produkte erkennbare Texte im Stundentakt raushauen, dann zieht mir das durchaus ein Stück weit den Zahn.
Es ist nach meinem Gefühl schon ziemlich gruslig, wie das Netz zunehmend von dem KI-Slop genannten Abfall überschwemmt wird. Man fragt sich als Blogger, dessen Artikel nach wie vor komplett „in Handarbeit“ entstehen, natürlich zunehmend, ob man in dieser Drecklawine überhaupt noch als echter Mensch mit echten eigenen Gedanken wahrgenommen wird. Zumindest in den Sozialen Medien scheint mir das nicht mehr der Fall zu sein. Angeblich sollen jetzt schon mehr als ein Drittel aller veröffentlichten Inhalte KI-generiert sein.
Es wird auch immer schwieriger: Das Volumen an Postings nimmt exponentiell zu. KI-generierte Inhalte werden immer schwerer als solche zu erkennen. Ich habe neulich an einem Test auf „Spiegel Online“ teilgenommen, bei dem man zehn Texte als von einem Menschen oder von einer KI geschrieben identifizieren sollte. Ich habe dabei vollkommen versagt, obwohl ich mir etwas darauf einbilde, mit meiner Muttersprache ganz gut umgehen zu können.
In Texten, die sich nicht um ein Thema drehen, auf das ich irgendwie spezialisiert bin, habe ich keine Chance, von einer KI im ihr gezielt antrainierten Brustton der Überzeugung vorgetragene Fehlinformationen als solche zu identifizieren. Sehe ich aber, was für haarsträubender Unsinn häufig in KI-generierten Texten zu tiermedizinischen Themen (wo ich mich eben gut auskenne) verzapft wird, kann ich mir lebhaft vorstellen, dass das in anderen Bereichen genau so läuft. Als Laie ist man dem hilflos ausgeliefert, und ich denke, dass das auch immer mehr Leuten bewusst wird, was dann wieder dazu führt, dass man die Lust verliert, sich überhaupt durch das (Fehl-)Informationsdickicht zu kämpfen.
Kurz gesagt: Man stumpft zunehmend ab. Wer heutzutage irgendwas als „Digital Creator“ veröffentlicht, muss mit allen Mitteln um Aufmerksamkeit buhlen, um in diesem Chaos überhaupt noch wahrgenommen zu werden. Man sehe sich nur mal auf YouTube die ganzen Thumbnails und Titel der Videoclips an: Die sind inzwischen (mit ein paar angenehmen Ausnahmen) so reißerisch geworden, dass sie manchmal nicht mehr das Geringste mit dem eigentlichen Inhalt des beworbenen Videos zu tun haben.
Nun bin ich – im Gegensatz zu vielen dieser Digital Creators – in der angenehmen Lage, dass ich mit dem, was ich schreibe und veröffentliche, kein Geld verdiene, es für mich also keine Katastrophe bedeutet, wenn meine Artikel sich weniger gut verbreiten als früher. Ich habe ja schon öfter erzählt, dass ich vor 14 Jahren mit dem Bloggen angefangen habe, damit ich nicht jeder und jedem in der Praxis immer wieder das Gleiche erklären muss, und natürlich auch, um mit Fakten und ehrlichen Einblicken hinter die Kulissen der Tiermedizin gegen Stammtischparolen und Fake-News anzukämpfen. Ich habe in meiner Vorstellung am Anfang nur für meine Kundinnen und Kunden geschrieben und war in meiner Naivität völlig überrascht darüber, wie sehr meine Texte Anklang gefunden haben. Meine Motivation war also (zumindest anfänglich) rein intrinsisch, aus mir selber kommend, weil ich mich eben mitteilen wollte.
Ich will nicht verschweigen, dass sich die zunehmende Popularität meiner Artikel langfristig auch sehr positiv auf den Geschäftsverlauf meiner Praxis ausgewirkt hat. Das war aber nicht das eigentliche Ziel, sondern hat sich zu meiner Überraschung und Freude so ergeben. Da ich heute – von der einen oder anderen telemedizinischen Beratung abgesehen – nicht mehr praktisch tätig bin, ist diese Teilmotivation sowieso wieder weggefallen. Ginge es mir in erster Linie um Clickzahlen und Traffic, wäre ich unter den aktuellen Bedingungen wohl auch dazu gezwungen, irgendwie immer reißerischer und sensationsheischender zu werden.
Das ist aber nicht der Fall! Also kann ich auch versprechen, dass hier alles so bleibt, wie es ist: Hier kocht der Chef! Meine Artikel sind aus meinem Kopf und werden eigenhändig getippt, und auch am relativ gemächlichen Takt, mit dem ich Artikel schreibe und veröffentliche, wird sich nichts ändern. Nach heutigen Maßstäben ist und bleibt das hier also ein echter Schnarchzirkus, aber wenigstens ein menschengemachter! Ich werde also bei aller Unsicherheit darauf setzen, dass „geschrieben von einem echten Menschen“ sich langfristig als Qualitätsmerkmal durchsetzen wird.
Ich will aber keineswegs unterschlagen, dass ich mich (auch im Sinne meiner Botschaft aus dem ersten Teil) durchaus mit KIs auseinandersetze, schon allein, um den Umgang mit ihnen zu erlernen. Sie in Feldern, in denen man sich auskennt und deshalb in der Lage ist, Halluzinationen und Fehlinformationen zuverlässig zu erkennen, als reine Recherche-Tools zu nutzen, halte ich nicht nur für legitim, es wird auch einfach kein Weg daran vorbeiführen. Und, wie durch das Titelbild dargestellt: Ich werde sicher weiter KI-generierte Bilder verwenden, aus dem einfachen Grund, dass ich zwar sehr viele Fotos in meiner Datenbank habe, aber beileibe nicht zu jedem denkbaren Thema. Das mag manchen gefallen und manchen nicht, spielt letztendlich keine Rolle, weil die Titelbilder eh nur Eyecatcher sind.
BTW: Hat jemand von Ihnen bemerkt, dass der erste Teil diese Miniserie NICHT komplett menschengemacht war? Da gab es ganze Sätze oder Abschnitte, die Googles KI Gemini formuliert hat. Nach den Kommentaren zu dem Artikel zu urteilen, ist das niemand aufgefallen. Ich wollte das nur mal ausprobieren, und da hat sich ein Text über KI natürlich angeboten. Dieser zweite Teil ist dagegen wieder ganz „in Handarbeit“ entstanden.
Bleiben Sie mir gewogen, bis bald, Ihr
Ralph Rückert
Übrigens und falls das nicht klar sein sollte: Dieser Text wurde von einem Menschen, also von mir geschrieben, nicht von irgendeiner Bullshit-KI! Nur die Illustrationen mancher Artikel sind KI-generiert.
© Ralph Rückert
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