Von Ralph Rückert, Tierarzt
Geht es um Hitze und Hunde, geht es meist auch um den Hitzschlag. Wie in anderen Artikeln schon erläutert, ist ein Hitzschlag ein recht genau definierter und lebensgefährlicher Notfall. Ein Hund mit echtem Hitzschlag kann sich in der Regel nicht mehr oder nur noch mit Mühe auf den Beinen halten. Ebenfalls mehrfach betont: Ein echter Hitzschlag endet in der Hälfte der Fälle tödlich, auch noch Tage nach dem Ereignis. Im Gegensatz zu allem inzwischen leicht verblödet wirkenden Geplapper von „behutsam und mit lauwarmem Wasser kühlen“ werden die höchsten Überlebensraten definitiv dadurch erzielt, dass man den Patienten so rabiat wie möglich abkühlt, idealerweise durch „whole body immersion“, also das komplette Eintauchen des Körpers in Wasser. Auf die Temperatur dieses Wassers will ich hier nicht nochmal eingehen, weil das reine Theorie ist. Zwar ist es umso besser, je kälter es ist, aber das spielt keine Rolle, weil man in dieser Situation, also mit einem Hund mit Hitzschlag, ganz sicher nicht die Wahl zwischen verschiedenen Wassertemperaturen haben wird. Also ganz einfach: Rein mit dem Hund, wenn diese Möglichkeit besteht, ohne jedes Zögern.
Meine Kollegin Dr. Viola Hebeler hat auf ihrer Praxisseite ein gerade aktualisiertes PDF-Dokument mit allen relevanten wissenschaftlichen Erkenntnissen und den entsprechenden Quellen veröffentlicht. Wer also in Sachen Hitzschlag noch Informationsbedarf hat (und das sind viele, inklusive so einiger Kolleginnen und Kollegen und – nicht zu vergessen – Landestierschutzbeauftragter!), sollte sich das mal durchlesen. Ich kann versprechen, dass man am Ende besser informiert ist als vorher. Aber Lesen muss man natürlich schon wollen und können.
https://www.tierarztpraxis-hebeler.de/images/downloads/2026-Artikel_Hitzschlag.pdf
Hier soll es aber jetzt um etwas anderes gehen, nämlich um den überhitzten Hund, also die Vorstufe zum Hitzschlag, ein natürlich viel häufigerer Zustand als ein echter Hitzschlag. Überhitzte Hunde sind im Gegensatz zu Hitzschlagopfern noch voll koordiniert. Sie hecheln heftig, können aber dieses Hecheln bei einem Reiz von außen (Ansprache, Berührung, etc.) immer noch kurz unterbrechen. Da man es eben mit einer Vorstufe bzw. einem Warnsignal für einen drohenden Hitzschlag zu tun hat, kann es Sinn machen, für zügige Abkühlung zu sorgen. Von der oben erwähnten Ganzkörperimmersion abgesehen hat sich für so eine Zwischenkühlung zur Verhinderung von Schlimmerem das natürlich freiwillige und eventuell mehrfache Eintauchen des Kopfes in kaltes Wasser als beste Methode herausgestellt, vor allem dort, wo nur eine begrenzte Menge Wasser zur Verfügung steht.
Hier der Link zur entsprechenden Studie:
https://avmajournals.avma.org/view/journals/javma/262/12/javma.24.06.0368.xml
Der Voluntary Head Dunk kann Hunden mit mittlerer oder hoher Affinität zu Futter oder einem Ball sehr schnell beigebracht werden. Das geht nach meiner Erfahrung in unter einer halben Stunde. Wie man das macht, kann man sich in diesem Tutorial anschauen:
https://www.youtube.com/watch?v=A95eFGWDxFs
Hat der Hund das mal gelernt oder macht es sowieso freiwillig (ja, es gibt sozusagen „natürliche Taucher“, die da gar keine Hemmungen haben, siehe Pacman auf dem Titelfoto), hat man ein Werkzeug zur Verfügung, um eine temperatur- und/oder anstrengungsbedingte Überhitzung des Hundes schnell abzufangen. Gerade unter Feldbedingungen mit eher knappem Wasserangebot ist das zum Beispiel für Hunde, die bei Hitze arbeiten müssen (Rettungs- oder Suchhunde), eine sehr praktikable Vorgehensweise.
Vorsichtshalber sei noch erwähnt: Ein Hund mit echtem Hitzschlag kann natürlich keinen freiwilligen Kopftunker mehr ausführen, weil er entweder bewusstlos oder zumindest stark bewusstseinsgetrübt ist. Bei Hitschlagpatienten ist ganz im Gegenteil darauf zu achten, dass sie beim Eintauchen des gesamten Körpers nicht mit dem Kopf unter Wasser geraten!
Bleiben Sie mir gewogen, bis bald, Ihr
Ralph Rückert
Übrigens und falls das nicht klar sein sollte: Dieser Text wurde von einem Menschen, also von mir geschrieben, nicht von irgendeiner Bullshit-KI! Nur die Illustrationen mancher Artikel sind KI-generiert.
© Ralph Rückert
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