Von Ralph Rückert, Tierarzt
Das ist ein Zitat aus einem Kommentar einer Tierbesitzerin, der in einer Diskussion um die Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT) gepostet wurde. Die Erfüllung dieser Forderung wäre natürlich eine bestechend einfache Lösung der anhaltenden Streiterei um die GOT. Weg mit dem Ding, und fertig ist die Laube!
Ich persönlich leide in dieser Frage unter einer Art Persönlichkeitsspaltung. Als (inzwischen ehemaliger) Praxisinhaber war und ist meine Aussage immer: Okay, wegen mir gerne! Ich hätte mir durchaus vorstellen können, ohne die GOT zu leben. An meinen Preisen hätte es rein gar nichts geändert, und ich war immer selbstbewusst genug, um davon auszugehen, dass es mir so oder so nicht an Kundschaft fehlen würde. Seine Rechnungen ohne die von der GOT festgelegten, vielfältigen Anforderungen schreiben zu können, rein auf der Basis betriebswirtschaftlicher Überlegungen, wäre zudem eine wirklich angenehme Vorstellung.
Andererseits darf ich als Vorstandsmitglied einer Landestierärztekammer nicht nur an mich denken, sondern muss das Gesamtbild im Auge behalten, also alle Kolleginnen und Kollegen und durchaus auch die Tierhalterinnen und Tierhalter. Und unter diesem Aspekt kann ich die Forderung nach einer Abschaffung der GOT nur als unüberlegt und falsch bezeichnen. Der Rahmen, den die Gebührenordnung bietet, um tiermedizinische Einrichtungen aller Größenklassen profitabel betreiben zu können, ist sicher sehr großzügig. Nichtsdestotrotz ist es eben ein Rahmen, und das hat halt doch so seine Vorteile.
Um etwas deutlicher zu machen, was ich meine, ziehe ich ein Posting heran, über das ich letzte Woche gestolpert bin: Eine Hundehalterin musste im Urlaub in Dänemark in den Abendstunden mangels Alternativen eine lokale Tierklinik konsultieren. Sie bekam schon am Telefon mitgeteilt, dass die Notdienstgebühr ab 18 Uhr etwas über 400 Euro und ab 23 Uhr etwas über 800 Euro betragen würde. Diese Summen muss man sich schon mal auf der Zunge zergehen lassen. Zum Vergleich: Die GOT erlaubt da nur 50 Euro plus Mehrwertsteuer. Dänemark hat – wie man sich denken kann – keine Gebührenordnung. Die Klinik kann also, nicht zuletzt mangels Konkurrenz, machen, was sie für richtig hält. Und für die Kundschaft gilt: Friss Vogel oder stirb!
Oft werden Nachbarländer wie Dänemark und die Niederlande als Beispiel dafür angeführt, dass tiermedizinische Leistungen ohne Gebührenordnung billiger zu haben wären. In direkter Grenznähe mag das stimmen, weil es dort (übrigens auf beiden Seiten) Praxen gibt, die sich darauf spezialisiert haben, durch günstige Pauschalangebote Grenzgänger-Kundschaft anzulocken. Schaut man allerdings auf die durchschnittlichen landesweiten Gebühren, stellt man fest, dass diese eindeutig höher sind als in Deutschland.
Man kann meiner Meinung nach ziemlich genau vorhersagen, was nach einer Abschaffung der GOT passieren würde: Die kleineren und billigeren Praxen, die für sich immer schon nur den Preis als Argument anführen konnten, würden sich einen ruinösen Preiskampf liefern, zum kurzfristigen Vorteil der Kundinnen und Kunden. Dann würden wegen der Folgen dieses Preiskampfes reihenweise Billigpraxen schließen müssen, wodurch es zu einer weiteren Konzentration des Geschäftes auf größere und effektivere Einrichtungen käme. Diese wiederum könnten und würden dann aufgrund höherer Nachfrage und einer zunehmend marktbeherrschenden Stellung immer höhere Gebühren am Markt durchsetzen. Für die heutige Zeit gilt einfach, dass die Nachfrage nach tiermedizinischen Leistungen höher ist als das Angebot, was zwangsläufig den Preis nach oben treibt, mit GOT bis zu einer definierten Obergrenze, ohne GOT dann eben ohne irgendeine Begrenzung.
Deshalb: Als Tierhalterin oder Tierhalter wäre ich sehr vorsichtig, was ich fordere, denn meine Forderungen könnten doch tatsächlich in Erfüllung gehen. Meiner Meinung nach würden sich dann wahrscheinlich so manche sehnlichst wünschen, sie hätten den Mund nicht so voll genommen, ohne sich vorher Gedanken über die aktuelle Marktdynamik zu machen.
Bleiben Sie mir gewogen, bis bald, Ihr
Ralph Rückert
Übrigens und falls das nicht klar sein sollte: Dieser Text wurde von einem Menschen, also von mir geschrieben, nicht von irgendeiner Bullshit-KI! Nur die Illustrationen mancher Artikel sind KI-generiert.
© Ralph Rückert
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