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Nach wie vor viel zu häufig: Die Xylit-Vergiftung beim Hund

Nach wie vor viel zu häufig: Die Xylit-Vergiftung beim Hund

Von Ralph Rückert, Tierarzt, und Johanne Bernick, Tierärztin
Ein ebenfalls sehr social-media-aktiver Kollege hat vor vier Jahren einen kurzen Artikel über die Gefahren des Zuckeraustauschstoffes Xylit (Xylitol, Birkenzucker) für Hunde veröffentlicht, der gut gemacht war und sich in der Hundewelt weit verbreitet hat. Deshalb und weil man als Blogger allzeit originell sein und auf keinen Fall „abschreiben“ will, haben wir uns über dieses Thema längere Zeit keine Gedanken mehr gemacht, so nach dem Motto „Weiß doch wohl inzwischen jede(r)!“.
Um so schockierter waren wir, als neulich in einer sehr großen Facebook-Hundegruppe von einer Xylitvergiftung berichtet wurde und sehr bzw. zu viele Kommentare von Leuten kamen, die bekannten, keinen blassen Schimmer von dieser Gefahr gehabt zu haben. Es gilt für solche Themen wohl das selbe wie für Werbung: Die Botschaft muss offenbar ständig wiederholt werden, um am Ende möglichst viele Mitglieder der Zielgruppe zu erreichen. Also sind wir halt mal unoriginell und weisen erneut auf die Gefahren dieser nach wie vor zu häufig vorkommenden Alltags-Vergiftung hin. Steter Tropfen höhlt bekanntlich den Stein, und wenn dieser Artikel auch nur zehn Hunden den Kragen rettet, soll es uns das wert sein.

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Ein leicht vermeidbares Ärgernis: Der eingesaute Hund in der Tierarztpraxis

Ein leicht vermeidbares Ärgernis: Der eingesaute Hund in der Tierarztpraxis

Von Ralph Rückert, Tierarzt, und Johanne Bernick, Tierärztin
So wie auf dem Foto bitte, bitte nicht! Ich bin in einem anderen Artikel vor Jahren mal ganz nebenbei und kurz auf dieses Thema eingegangen, möchte es aber nochmal ansprechen: Es ist für uns ein echtes (und wirklich völlig unnötiges!) Ärgernis, wenn Sie uns zur Untersuchung oder gar für einen Eingriff in Narkose einen Hund präsentieren, der völlig verdreckt ist.
Weder Sie noch Ihr Tier müssen für einen Tierarztbesuch wie aus dem Ei gepellt sein. Aber bitte: Es ist weder sinnvoll, noch nett, wenn Sie in direktem Anschluss an einen ausgiebigen Spaziergang über regengepeitschte Äcker mit völlig verschlammten Gummistiefeln und einem bis zu den Ohrspitzen eingesauten Hund ins Wartezimmer gestolpert kommen. Das führt nämlich regelmäßig dazu, dass wir nach Ihrem Besuch erst mal vom Eingang bis zum Sprechzimmer alles durchwischen und oftmals auch noch unsere Kleidung wechseln müssen, um sowohl die Räumlichkeiten als auch uns wieder präsentabel zu machen.

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Der "ausgepowerte" Hund! Sinnvolle Zielsetzung oder eher ein Missverständnis?

Der „ausgepowerte“ Hund! Sinnvolle Zielsetzung oder eher ein Missverständnis?

Von Ralph Rückert, Tierarzt, und Johanne Bernick, Tierärztin
Die sozialen Medien fließen über von Postings, in denen Hundebesitzer:innen höchst befriedigt Fotos ihrer von irgendeiner stundenlangen oder hochintensiven Aktivität völlig erschlagenen – eben „ausgepowerten“ – Vierbeiner präsentieren, als ob sie damit eine persönliche Heldentat vollbracht hätten. Das färbt natürlich ab, so dass andere, die es nicht so richtig schaffen, ihre Tiere „auszupowern“, sich fragen, ob sie am Ende vielleicht keine guten Hundehalter:innen sind, so im Sinne dieses Zitats:
„Ich hab zwei Mischlinge, die draußen am liebsten nur rennen möchten und nicht müde zu bekommen sind. Ich geh viermal am Tag Gassi und wir gehen regelmäßig in den Dog Park, damit sie ihre Energie los werden können. Manchmal frage ich mich aber, ob sie es bei aktiveren Hundeeltern besser hätten. Leute, die lange Wanderungen machen und mit ihnen joggen gehen.“

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Wir wollen einen Hund! Auslandstierschutz? Illegaler Welpenhandel? Oder eine Kombination aus beidem?

Wir wollen einen Hund! Auslandstierschutz? Illegaler Welpenhandel? Oder eine Kombination aus beidem?

Von Ralph Rückert, Tierarzt, und Johanne Bernick, Tierärztin
Das kleine Kerlchen auf dem Foto ist Balou. Wir haben ihn am 16. Februar in unserer Praxis vorgestellt bekommen. Da hatte er mittelgradig Durchfall, war aber sonst gut drauf, neugierig und aktiv. Der Giardientest fiel positiv aus, eine entsprechende Behandlung wurde eingeleitet. Zwei Tage später war er wieder da, weil es ihm plötzlich gar nicht mehr gut ging. Genau genommen ging es ihm derartig schlecht, dass wir ihn nach stabilisierender Erstversorgung zur stationären Intensivbehandlung in eine Klinik überwiesen haben. Am 22. Februar war sein kurzes Leben schon wieder vorbei. Er starb als Letzter von vier Geschwistern, die etwas über eine Woche zuvor mit einem größeren Transport aus Rumänien in der Hoffnung auf schöne Forever-Homes nach Deutschland gekommen waren, an der Parvovirose.
Ich höre Sie jetzt buchstäblich alle denken: Ja, typisch, so läuft das eben gern mal, wenn man sich einen Welpen aus dem illegalen Hundehandel anschafft! Weit gefehlt: Balou und seine Geschwister wurden von einer nach unseren Recherchen durchaus seriös wirkenden Auslandstierschutz-Organisation nach Deutschland verbracht. Die mehr als unerfreulichen Begleitumstände dieses Falles bringen uns aber zu der Frage, was genau eigentlich der Unterschied zwischen den Methoden im illegalen Hundehandel und dem Vorgehen mancher Auslandstierschutz-Orgas sein soll.

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Tiermedizinische Betriebswirtschaft III: Gebührenerhöhung der dritten Art

Von Ralph Rückert, Tierarzt
Dr. Carola Musterfrau ist eine Kollegin von mir, sowohl als Tierärztin als auch als Inhaberin einer langjährig etablierten, mittelgroßen und sehr schönen Praxis. Carola ist Anfang fünfzig, war immer bienenfleißig, vielleicht zeitweise zu fleißig für ihr eigenes Wohl, weil sie – wie so viele Kolleginnen und Kollegen – unter einem ausgeprägten Helfer-Syndrom leidet. Sie genießt diese Phase in ihrem Leben als Tierärztin in vollen Zügen. Das „Fuck-you-Money“ ist auf dem Konto, und sie ist auf dem Höhepunkt ihrer Erfahrung und ihres tiermedizinischen Könnens.
Carola hat aber ein echtes Problem! Sie ist buchstäblich zu erfolgreich! Ihre Praxis – obwohl beileibe noch nie zur „Discount- oder Holzklasse“ gehörend – wird von zu vielen Tierhalter:innen konsultiert, weil sie eine hervorragende Reputation für Sorgfalt, Freundlichkeit, diagnostische Fähigkeiten und vieles mehr genießt. Die Tage, an denen das Fallaufkommen nur mit beträchtlichen Überstunden bewältigt werden kann, werden immer häufiger. Es gibt zunehmendes Gegrummel aus dem Team, und die ständige Hetzerei fängt an, die vormals sehr hohe Arbeitsqualität negativ zu beeinflussen, weil es zu Fehlern kommt, die vormals undenkbar gewesen wären.

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Tiermedizinische Betriebswirtschaft II: Die GOT-Positionen 10, 11 und Z, oder: Zeit ist Geld!

Von Ralph Rückert, Tierarzt
Wie so oft als Einleitung ein Netz-Fundstück, die 1-Sterne-Bewertung einer deutschen Tierarztpraxis:  „Vorsicht, Abzocker! Ich habe wegen ihrem guten Ruf zu dieser Praxis gewechselt, aber als ich neulich beim ersten Besuch mit unserer neuen Fellnase eine Liste mit ein paar Fragen dabei hatte und die mit der Chefin durchgesprochen habe, standen hinterher auf der Rechnung die Posten „Ziffer 11: Eingehende Beratung“ und „Z (Zeitgebühr)“, für zusammen 70,48 Euro plus Märchensteuer!!! Das ist eine bodenlose Frechheit, wir haben uns nur eine halbe Stunde über unser Mäuschen unterhalten. Bei meinem früheren Tierarzt hat das nie was gekostet! Diese Praxis, wo es nur ums Geld geht, nicht um die Tiere, sieht mich jedenfalls nie wieder!“.
Das ist ziemlich typisch. Irgendwo in meinen vielen Bewertungen müsste sich eigentlich auch sowas finden, wenn ich mich richtig erinnere. Die Gebührenordnungsziffern 10: „Beratung im einzelnen Fall ohne Untersuchung (auch schriftlich oder fernmündlich)“, 11: „Eingehende Anamneseerhebung oder Beratung, das gewöhnliche Maß übersteigend, einschließlich eingehender Vorbereitung…“ und Z: „Zeitgebühr“stoßen bei Haustierbesitzer:innen häufig auf irgendwas zwischen empörtem Unverständnis und blankem Entsetzen.

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Die Wegwerf-Katze

Die Wegwerf-Katze

Von Ralph Rückert, Tierarzt, und Johanne Bernick, Tierärztin
Neulich wurde uns ein junger Kater (etwas über ein Jahr alt) vorgestellt, der tags zuvor vom Balkon gesprungen oder gestürzt war und seitdem nicht mehr richtig auf sein rechtes Hinterbein auftreten konnte.
Die allgemeinkörperliche Untersuchung ergab außer einem stress- bzw. schmerzbedingt recht hohen Puls und der schweren Lahmheit hinten rechts keine besonderen Befunde. Bei der Lahmheitsuntersuchung zeigte sich eine so hochgradige Schmerzhaftigkeit im Bereich des rechten Hüftgelenks, dass sich ein weiteres Vorgehen ohne stark schmerzunterdrückende Sedierung von selbst verbat.

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Das geriatrische Vestibularsyndrom des Hundes, kurz und knapp!

Von Ralph Rückert, Tierarzt, und Johanne Bernick, Tierärztin
Wir erhalten von Leserinnen und Lesern unserer Texte regelmäßig Themenvorschläge, die wir natürlich in so eine Art Hit-Liste mit Ideen für künftige Artikel aufnehmen. Erstaunlicherweise führt das geriatrische Vestibularsyndrom diese Liste schon seit längerem mit weitem Abstand an. Also wird es wohl tatsächlich mal Zeit, ein paar Zeilen darüber zu schreiben.
Von selber wären wir wohl eher nicht darauf gekommen, dieses Thema zu bearbeiten, weil es sich beim geriatrischen Vestibularsyndrom um eine aus ärztlicher Sicht wenig herausfordernde Erkrankung handelt, die zwar blitzartig und mit häufig sehr beeindruckenden Symptomen auftritt, sich aber dann – Achtung: Spoiler! – in fast allen Fällen innerhalb relativ kurzer Zeit ganz von selbst wieder gibt.

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Trainee-Programm für vierbeinige Asis: An der Leine - lebenslänglich!

Trainee-Programm für vierbeinige Asis: An der Leine – lebenslänglich!

Von Ralph Rückert, Tierarzt
Gleich mal vorab: Das ist kein wirklich tiermedizinischer Artikel, sondern eine absolut subjektive Meinungsäußerung, geschrieben eher als lebenslanger Hundehalter als als Tierarzt. Sie sehen auch, dass ich als alleiniger Autor genannt bin, weil zum Beispiel meine Co-Autorin und Kollegin Johanne Bernick nicht mit dieser meiner Meinung konform geht. Das finde ich völlig okay, weil auch ich den Text nicht als in Stein gemeißelte Wahrheit, sondern eher als Diskussionsbeitrag sehe.
Ein gewisser Bezug zur Tiermedizin ist allerdings schon gegeben. Ich muss – über die mehr als 30 Jahre meiner Berufserfahrung gesehen – leider feststellen, dass die Zahl der Hunde, die ein unverträgliches bis pathologisches Verhalten gegenüber Artgenossen an den Tag legen, deutlich zugenommen hat. Wir haben es in unserem Praxisalltag heutzutage relativ häufig mit Hunden zu tun, die man nicht ohne beträchtlichen Tumult durch ein Wartezimmer führen kann, in dem sich auch noch andere Hunde befinden. Da stellt sich für mich schon die Frage: Machen wir Hundehalter:innen nicht vielleicht was falsch?

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In eigener Sache und nur bedingt von allgemeinem Interesse: Eine Änderung der Copyright-Handhabung für unsere Blogartikel

In eigener Sache und nur bedingt von allgemeinem Interesse: Eine Änderung der Copyright-Handhabung für unsere Blogartikel

Von Ralph Rückert, Tierarzt
Hm, glatt übersehen! Vor ein paar Tagen hatte der Blog doch tatsächlich seinen zehnjährigen Geburtstag! Am 14. Juni 2012 habe ich meinen ersten Artikel „Ein Plädoyer für den kleinen Hund“ online gestellt. Was anfangs und im Kern bis heute als Informationsangebot, als Aufklärungsmehrwert und als Blick hinter die Kulissen der Tiermedizin für die Kundinnen und Kunden meiner Praxis gedacht war, hat sich dann bald in einer Art und Weise weiter entwickelt, die ich absolut nicht vorhergesehen hatte, mit zeitweise bis zu 100.000 Zugriffen auf den Blog pro Monat.
In dieser ganzen Zeit war ich einerseits bemüht, die Kontrolle über das Copyright für meine Texte im Griff zu behalten, habe aber (aus meiner Sicht) relativ großzügig und völlig kostenlose Nachdruckgenehmigungen erteilt, und zwar speziell an tierbezogene Einrichtungen, die diesen oder jenen Artikel zur Aufklärung ihrer Kundinnen und Kunden in gedruckter Form weitergeben wollten, und an Non-Profit-Periodika diverser Zuchtverbände, die damit einfach und unbürokratisch an vernünftigen redaktionellen Inhalt für ihre Vereinszeitschriften kamen.

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